353
II. Vom Ideal„Grundsatz" 3.
,,Hieraus (weil man einige Produkte des Ge-schmacks als exemplarisch ansieht) folgt aber, daßdas höchste Muster, daS Urbild des Ge-schmacks, eine bloße Idee sei), die jeder insich selbst h e rv o r b r i n gen muß, und dar-nach er alles, was Objekt des Geschmacks, wasBeispiel der Beurtheilung durch Geschmack sey, undselbst den Geschmack von Jedermann beur-thcilen weiß."
Zweifel.
Wie folgt das? Weil man Produkte des Ge-schmacks als exemplarisch ausieht, so muß Jederdas höchste Muster, das Urbild des Geschmacks, dieIdee, darnach er alle Objekte und Beispiele des Ge-schmacks , ja den Geschmack Jedermanns beurtheilcnmuß, in sich h e r v o r b r i n g e n? Bringt Jederdie höchste Muster-Idee, das Urbild des Ge-schmacks zu Beurtheilung jedes Objekts in jederKunst aus sich hervor, da, wie ihre Werke zeigen,es so manchen namhaften Künstlern und Kunstschu-len , einem Troß von Kunstrichtern und Philosophen,^a ganzen Nationen fehlte?
„Grundsatz" 4.
„Idee bedeutet eigentlich einen Vernunftbegriff;Ideal die Vorstellung eines einzelnen, als eines derIdee adäquaten Wesens."
Zweifel.
Weder Eins, noch das Andre. Ein Vernunft-bcgriff laßt sich nicht darstellen; jede Kunst aber