II. Vom Ideal des Schönen. 357
den ohne Begriff? Einhelligkeit, so viel mög-lich, aller Zeiten und Völker in Ansehung des Ge-fühls des Wohlgefallens in der Vorstellung gewis-ser Gegenstände (Welcher ?) ein Kriterium zwar nichtdes Geschmacks, aber der'Abstammung des Geschmacksvom tiefverborgnen, allen Menschen gemein-schaftlichen Grunde der Einhelligkeit in Be-urtheilung der Formen? Und dies Principium, aufbloße Empirie gebaut, wäre a xriori? Und welchesist der tiefverborgne Grund, worauf das Kriteriumzeigt? Wir fragen eben nach diesem Grunde.
. „Grundsatz" 2.
„Daher sieht man einige Produkte des Ge-schmacks als exemplarisch an; nicht als ov der Ge-schmack könne erworben werden, indem er andrenachahmt."
Zweifel.
Erworben nicht, wenn die Anlage dazu demNachahmenden fehlet, so wenig eine GeschmackloseZunge, wenn sie das Kaue» nachahmt, wird schme-cken lernen; aber erweckt, geleitet und mißleitet, ge-bildet und mißbildet kann der Geschmack durch vor-stehende oder geltende Muster allerdings werden. Dieszeigt die Geschmacks-Moden- und Kunst-geschichte in allen Perioden und Schulen. Auchzum Wohlgefallen gewöhnt man sich, gesetzt manmüsse auch Anfangs kriusch fragen; „habe ich michwrrk l i c h amussret? " Ob das, was der Lehrlingnachahmt, wirklich schön se»'? fragt er seltner; erfolgt dem Meister und gewöhnt sich.