I. Vom Erhabnen.
3^2
lösen: denn das Unnennbare, Hcrzersasscnde der
Stimme hat keine Gestalt; es ist selbst der erqui-ckende Athem des Lebens.
6. Wenn drittens diese Stimmen uns incin Labyrinth führen, in dem wir uns ver-loren glauben; Pforten nach Pforten lhun sich aufund schließen sich zu, bis uns der Tonkünstlcr oderDichter auf einmal, unvcrmukhct, aber still vorbe-reitet , leise oder prächtig einen Gang des Entkom-mens öffnet, und uns durch ihn mit sichern! Schrit-te durchführet; diese Frohheit der Seele, erhabenist sie und erhebend. Der lyrische, epische, selbstder dramatische Dichter, ob dieser gleich an Formender Vorstellung gebunden ist, eifert hierin den Ver-wicklungen und Auflösungen reiner Töne, ibrcn ge-waltigen Katastrophen nach, und macht sie demGeist, der dramatische Dichter dem Auge anschau-lich. Das Unanschauliche aber ist die Katastro-phe in unsrer Brust, unsre sich hebende, kämpfen-de , überwindende Empfindung.
7. Wenn endlich dann das Meer der Töneund der Empfindungen zur Ruhe sich senket; werempfand nicht eben in diesem letzten zögernden Schwe-ben das erhabne Gefühl der Bollcn.dung? Gernzögern wir, scheuend gleichsam das Ende, dem wirzuletzt doch mit beschleunigtem Fall zueilcn. DerDichter jeder Art, bis zum Fabeldichter und zumEpigrammatisten hinunter eifert dem erhabnen Schlußdes Tonkünstlers nach, entweder schnell fallend odersanft die Flügel senkend^ Ein erhabner Ausgangist das höchste Ziel der Kunst, in Einem Momentuns alles gewahrend.