Z^a I. Vom Erhabnen.
2 . Von festen Umrissen und Formen,wie sic das Auge zeigt, kann bei Empfindungen,sogar bei Gestalten, die durchs Gehör zu uns kom-men, auch nicht die Rede seyn, da das Ohr eigent-lich nie fest gestaltet. Könnten aber auch Töne for-men oder Theile der Form bilden; sie dauern allenur Momente; jeder nimmt seine Form mit sichund begrabt sie. Eine böse Kunst wäre es,, diedurch lauter Zerstückungen wirkte, d. i. in einemEndlosen Maaße anlegte, die nichts maßen undkein Maas waren, die fließendes Wasser oder zer-rinnenden Sand mit Tantalus und Sisyphus Mühezu nicht - bestehenden Massen formte.
3. Vielmehr da es das Amt des Gehörs ist,uns S u cc e ssi o n e n , nicht Cocpistenzen, Pro-gressionen, nicht Continua des Raums, Be-wegung, nicht Stillstand zu geben: so wird auchsein Erhabnes nur durch diese lebendige Wir-kung. Das stillhorchende Ohr wird eine Pforteerhabner Empfindungen, indem es uns mit EinemViel mächtig giebt, aber auf eine ihm angemes-sene, dem Auge verborgne, geistigeWeise. Ein einzelner Ton, zur Nachtzeit gehört,der Schall einer Glocke, der Klang eines Horns,eine weckende Trommcte, friedlicher das Getön derHarfe; oder von Stimmen der Natur der Donner,das letzte Rauschen der Wipfel vorm Unqewitter,das Ungewittcr selbst sprechen dem Einsamen, demFurchtsamen sowohl als dem Furchtlosen, mit We-nigem Viel, auf die mächtigste Weise. Und werempfand nicht das Still-Erhabne einer herzlichenMcnschenstimme? wem tönte sie nicht in der