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Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
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und Kunstrichterey. 267

gcnsten Funktion unsers Lebens, in der uns engan-schließenden Spbare von Empfindungen, Verrichtun-gen und Gedanken sollen wir uns Geschmack, d. i.den lichtesten Prmkt der verständigsten, leichtestenWirksamkeit mit Lust und Liebe erwerben; oder al-les Schöne fernher gebrachter Wissenschaften undKünste wird Zeitvertreib und Zeitverdcrb, eine Trö-delei, die wir bald beiseit legen, weil sie uns zuletztaneckelt. Das Lesen der Alten selbst, wenn es nichtbis zum innersten Kern dringt und uns zu ibrenGesinnungen in einer ganze» Lebensweise bildet, son-dern blos Kennerschaft bleibt, ist auch Ungeschmack:denn berauS mit der Sprache! Jsts Geschmack oderUngeschmack, wenn alte Autoren so gelesen, oder wieman sagt, getrieben werden, daß, wenn dieMuse will, Alles bei ihnen hcrvorspringt, nur nichtder lebendige Punkt, auf den sic Alles anlegken?Wird dieser nicht mit der Leichtigkeit, Lust und Lie-be gefasst, die unabtrennlich vom Geschmack sind,was nützen den Armen, die ihr mit Eurer Gelehr-samkeit quälet, die trefflichsten Geschmacksmuster?Auf Lebenszeit habt ihr ihnen diese verleidet. JstsGeschmack oder Ungeschmack, wenn man die alte oderneue Geschichte ohne lichte Punkte des Zusammen-hanges, des Ueberblicks, der Anwendung auf unsreZeiten vortragt? Jetzt wird sic ein Labyrinth, danneine Wüste, in der längst vergessene und der Vcr.gessenheit würdige Namen wicderhallcn, ohne daß sieeinmal angenehm tonen. Jsts Geschmack oder Un-geschmack , wenn griechische Formen widerstrebendenGegenständen nicht angepaßt, sondern wie Gypsfor-men übcrgossen werden, so daß der Gegenstand selbstzuerst darunter erstickte ? Ungeschmack oder Geschmack,