Von Kunst
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Nichts ist daher einem Volk, einer Gesellschaft,Spruche und Zunft schädlicher, als wenn Gesetze sichzumul des noch unreifen Geschmucks einerNation apodiktisch bemustern; sie morden den des-Fern Geschmack auf eine Reihe zukünftiger Geschlech-ter. Beyspiele davon sind das alte Aegypten, Chi-na von Alters her; und bei uns in Standen, Zünf-ten , Gewohnheiten, giebt cs nicht auch manchessipirte Geschmacks-China?
4. Neu-hervorstechende Mustern 11 d Uebungcn andern den Geschmack,zum Bessern, zum Schlimmern, wie cs die Zeilengeben» Ein Geschmack, dcm man sein Veränderli-ches ansieht, heißt -Mode; man macht sie mit,wenn sie nicht zu albern ist, der Verständige hältaber nicht mehr von ihr, als sich zu halten gebüh-ret. Geschmack eines Einzelnen in Uebung gesetzt,heißt seine Manier; wenn eine Schule diesemLavoir fairs folgt, heißt cs Manier der Sc hü-ll e. Nolhwendig wird durch sie der Geschmack ver-enget und unrein: denn er hangt nicht blos ohne
Urthcil am Urtheil, sondern auch an der Wir-kungsweise des Einen, eines Fremden. Da-durch verschiebt man sich für alles Bessere und Frei-ere den Anblick, das man schief, enge und parkhei-isch ansieht, und lähmt sich zu jeder eignen freienKraftübung. Ist der Geschmack des Einen vollendsGeschmacklos, Gcschmackverderbend, weh der nach-ziehenden Eefchmacksheerde! Die Geschichte derVolker und Zeiten halt uns hierüber warnende Bey-fpiele vor: denn wie traurige Perioden bat der Ge-