Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

u n d Kun s tri ch ter ey. 241.

lieget,) urthcilt und dennoch die Macht hak, seinErkenntniß ohn' alles Erkenntnis, als für ihn garnicht erkennbar, unter der Form eines ästketischenUnheils apodiktisch zu sprechen, weil Alles in ihmund als Geschmacksurtheil nur in ihm eristiret.So existire es in dir und schweige; dein rsl agtnotrs pleriüir ohne Grund und Erkenntnis andernals gemeingeltend aufgedrungen, ist Inkompetenzund Insolenz in aller Vernünftigen Urlheil.

3. Kritische Aussprüche vom Genie.

Genie ist i) Ein Talent, dasjenige, wo-zu sich keine bestimmte Regel geben laßt, hervorzu-brinqen; Originalität muß seine erste Eigen-schaft seyn." *) Zu geschweige«, daß diese Bestim-mung bloß verneinend ist, ist sie auch verführend.Allerdings .arbeitet das Genie nach Regeln, erfandnach Regeln, und ist sich selbst Regel, gesetzt, daßl jeder Dritte ihm diese auch nicht vorzählen konnte.

! SeineOriginalität," (ein sehr mißbrauchtes Wort),

I kann bloß bedeuten, daß der Genius ei» Werk sei-ner Kräfte darstellt, nicht nachgeabmt, nirgend cr-j borget; sonst kann cs, wie die Kritik selbst sagt,

^auch originalen Unsinn geben." 2)Die Produktedes Genies müssen zugleich Muster, d. >.i exemplarisch seyn, und andern zur Nachah-

*) S. 180.

Herders Werke z. Phil. u. Gesch. XV. O LnU-xon«,