182
Von Kunst
psindungcn, die mich jeden Augenblick erinnern, daßkeine Wahrheit in ihnen, sondern alles nur einSpiel sey, so gebe ich meinen Begriffen zuerst da-durch Leben, daß ich sein Spiel sür Pfuscherei, seineDichtkunst sür eine Unkunst erkläre, die nicht kann,was sie will, und nicht weiß, was sie soll.
„Wozu, sagt Lessing,*) die saure Arbeit derdramatischen Form? wozu ein Theater erbaut, Män-ner und Weiber verkleidet, Gedächtnisse gemartert,die ganze Welt ans einen Platz geladen? wenn ichmit meinem Werk und mit der Aufführung desselbenweiter nichts hcrvvrbringen will, als einige von denRegungen, die eine gute Erzählung, von jedem zuHause in seinem Winkel gelesen, ungefähr auch hcr-vorbringen würde. Die dramatische Form ist dieeinzige, in welcher sich Mitleid und Furchterregen laßt; wenigstens können in einer andern Formdiese Leidenschaften auf einen so hohen Grad schwer-lich erregt werden: und gleichwohl will man lieberalle andre darinn erregen als diese; gleichwohl willman sie lieber zu allem andern brauchen, als zu dem,wozu sie so vorzüglich geschickt ist," Wir wollen ihrsolche Tändeleyen,. nicht Nachsehen; denn in jederForm muß die Kritik auf den reinen Punkt treffen,der dieser Form gebühret. Wir kennen Sopho-kles , wir kennen Shakespeare.
*) Dramaturgie. St. go.