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Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
181
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und Kun str ic h t c r cv. r3r

kommt tauschen, " und allerdings täuscht mich derDichter, wenn er mich in seine Denkweise, in seineHandlung und Empfindung versetzt, ich tauschemit ihm die meine, oder lasse sie, so lange er wirkt,schlummern; ich vergesse mich selbst. Dem bar-st c l l e n d e r z a h l e n d e n Dichter folge ich willig,wohin er mich führet; ich sehe, höre, glaube, waser mich sehen, hören, glauben macht; vermager dies nicht, ist er kein Dichter. Ein Gleiches ists,mit dem Ausdruck seiner Empfindungen; ver-möge der dem Ausdruck selbst seinwohnendcn Machtfühle ich mit ihm. Die dramatische Vorstel-lung endlich, unterhalt sic mich blos als Spiel,oder schafft dem Verstände spielend einige Nahrung,so hat sie gewiß den ihr cigenthümlichen, dramati-schen Zweck verfehlet. Vergessen soll ich mich selbst,vergessen sogar meine Zeit und meinen Raum, aufden Flügeln der Dichtkunst, in die dramatische Hand-lung, in ihre Zeit, ihren Raum getragen. VonDecorationen hangt dieser Tausch nicht ab: denn

historisch vergesse ich nicht, daß ich vor einemBrettergerüst stehe, und es wird lächerlich, wennmich das' französische Trauerspiel durch Kunstgriffeund Worte selbst daran erinnert, daß ich nichtdavor stehe, sondern hie oder dort zu sepn beliebenwerde. Aus Macht der Handlung, geistig alsomuß ich da seyn, wo der Dichter mich sepn laßt;meine Einbildungskraft, meine Empfindung, nichtmeine Person steht ihm zu Dienst; was wollte ermit dieser ? Legte ers auf eine andre Täuschung an,wollte er mich z. B. um meinen Verstand bringen,das ich ihm glauben soll, was nach seiner eignenDarstellung nicht zu glauben ist; sänge er mir Em-