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Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
111
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und Schönen.

l c i.

nichts so selten jey, als das reine Gefühl und Wohl-qefallcn am echten, geschweige am erhabenen Schönen.Der wahre Künstler arbeitet daher nicht für dengemeinen Geschmack, ist auf das Unheil desPöbels nie stolz; das Lob des Narren beschämt ihn,und der Beifall, die Aufmunterung Eines Ken-ners gilt ihm statt Vieler, statt Aller. Eigentlichaber arbeitet er auch nicht für diesen Kenner, son-dern für sich; die Idee, die in ihm liegt, dieihn treibt und beseligt, sie darzustellcn, ist seineSorge, sie dargcstellt zu babcn, scin Lohn. Vor-schreien will Er der Menge nicht; noch wenigerdem Unheil des Kenners gebieten, und durch einPostulatSo soll cs seyn !" ihm den Mund stop-fen; er benähme ja damit jeder freien Stimme dieLuft, und entzöge sich selbst alle belehrende Auf-munterung. Ein Tyrann des Geschmacks ist sdaswissen wir alle) die albernste Figur, die je dieSonne beschienen.

Hierüber sind nicht nur alle Zeiten einig; son-dern es gründet sich hieraus auch aller Fort-gang der Kunst, ülleEultur des Schö-nen. Wäre es Einem Geschmacksurtheilec erlaubt,sein Veto oderSoll" auszusprechen, es zur Normfür alle Zeiten zu machen, und vonGemeingüitig-keit, von innerer Norhwendigbcit, als dem letztenMoment der Schönheit ohne Begriff" zu reden;wahrlich, so stünden wir noch vor Dädalus Bild-säulen und beim Karren des Thcspis. Alles wasKunst ist, will Uebung, also auch eine freie Bahnder Uebung; jede Anlage der Menschheit bedarf einerErziehung; vor allen andern die zarteste Pflanze un-srer Natur, das Gefühl und die Kunst des Schönen.