Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

und Schönen.

,rV

schmacksurtheile ohne Begriff, ohn' alle Begriffe?Sind wir unter die Auster und Milde hinabgcsun-kcn, bei denen selbst für uns ein Gefühl ohn' ir-gend eine Vorstellung, so dunkel sie auch sei), kaumdenkbar ist? Und wäre an einem Uebcrgange vonBegriffen zu Gefühlen der Lust und Unlust, odervon diesen zu jenen auch nur zu zweifeln, geschwei-ge ein solcher als undenkbar zu lgugnen, da zwi-schen Einem und dem Andern, die wir überhauptnur durch Abstraktion theilen, wir uns des innig-sten Ucberganges jeden Augenblick bew.ußt find?Der Schwärmer selbst senkte sich nie so tief in dendunkeln Grund seiner Seele, daß er ohn' alle Be-griffe zu empfinden, geschweige zu urtheilenglaubte; und hatte er diese Begrifflos,gkcit zumCriteriuni und Postulat gemacht, daß eben deshalbseine Empfindungen und Geschmacksurlheilc all-gemein - gültig seyn m ü ßten : so würde

man nichts als das kleine Wunder von ihm begehrthaben, ohne Begriffe diese Begrifflose GcschMacks-urtheilsgabe andern und jedermann mitzutheilcn.

Allen Freunden des Schönen war auch bei derinnigsten Empfindung desselben der Begriff derSchönheit heilig und werth; den Griechen schien erder Begriff der Begriffe selbst, die in-ner st e Z u s a m m e n fa s su n g und Energieunsrer Seele, auch das Wahre, das Gute sichinnigst zuzueignen. Wenn unser Verstand sich seineheitersten Begriffe denkt, muß er sich ein Ganzesconstiiuiren; mithin schafft er sich eine Idee, einBild der Schönheit. Soll unser Wille auf einGutes wirken; einladend muß cs ihm entgegen

7 ?