Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

«l nd Schonen.

'6L

denschaftcn entstehen konnte, wenn jede Empfindungnicht in diesem festumschloffenen Tonkreise ihreCurve, ihren Brennpunkt, ihr Ziel und Maashatte. Die ganze Anzahl von Linien, die zwischender geraden und dem Kreise liegen und dort Liniender Schönheit waren, sind in dieser Kunst Melodi-sche Gange, jeder in seiner Bahn mit jedem andernunvertauschbar, alle aber von Einer ewigen Regel,dem To »kreise gebunden. Dieser stehet und bleibt;unzählige Melodieen, d. i. Schwingungen und Gan-ge der Leidenschaft sind in und mit ihm gegeben.

B. Gute Aussicht! Trost für den, der fürch-tete, daß in der Musik bereits Alles erschöpft sey.So lange Leidenschaften in der menschlichen Brustsind, so lange jede Empfindung in Tönen spricht;und jede Nation auf ihrer Stufe der Ausbildung sichderselben gemäß ausdrückt, werden mit den siebenuralten Tönen neue und neue Lieblinqsmelodieen er-tönen. Wie stchets nun aber mit dem Messen undZahlen in diesem so fest gebundnen System, das sozahlreiche, ja unzahliche Tongange frey laßt?

A. Nicht wir zahlen und messen, sondern dieNatur; das Clavichord in uns spielt und zahlet.Ist dies mangelhaft, hörten wir keine andernGänge, keine reinern Töne, als Schalle undKlänge , so urtheilen wir nicht feiner , als

wir empfinden. Wird unser Ohr reiner gestimmt,wir lernen feiner unterscheiden, in freieren Schrittenden Gang unsrer Empfindung üben, so wird inner-halb der sieben Töne, aus welchen wir nie gelangen,in jedem musikalischen Werk eines Meisters uns einneues unendliches Vergnügen bereitet. Wie sich bey