S o p h r o >1.
257
Diesem Modegeist des Jahrhunderts vielmehr, derAlbernes, Lüsternes, Schwaches, Gebrechliches gutheißet, sollen und müssen Schulen entgegenarbeiten.Wenn nirgend sie wäre, so stehe in ihnen die heili-ge Regel eines festen, gesunden Geschmacks, einerreinen Sittlichkeit und Vernunft aufrecht. Siehtober hört man in Schulen Niedrigkeiten, Unsittlich-keiten, Possen; 0 wehe! Ist hier die Regel des
Wahren und Anständigen verlohren, wird jungenLeuten angepriesen oder zum Vorbild gemacht, wasniedrig, gemein, abscheulich ist — so haben Wahr-heit und reiner Geschmack ihr letztes Asylum ver-lohren. Schafft mir hinaus, sagte Christus, dieTaubenkramer und Wechsler. Meines Vaters Hausist ein Heiligthum — und was wird es durch euch?
Deßhalb werden nichts als heilige Sachenin den Schulen gelehrt, oder sollen gelehrt werden.Die Grundsätze ächter und reiner Wissenschaft sindheilig. Mir Willkühr kann niemand über sie hin-ausspringen; denn sie sind nicht aus Willkühr er-funden ; ihre Regeln und Grundpfeiler sind in derheiligen Natur, ja diese selbst unantastbare, unver-letzbare, heilige Gesetze und Gebote. Heilig sindjene große Seelen des Alterthums, die sogenanntenclassischen Autoren, und eben das Heilige, dasEwige, die unverletzbare Regel des Wahren, Gu-ten und Schönen sollte in ihnen gezeigt, aus ihnender jugendlichen Seele, auch als ewige Regel einge-drückt werden. Heilig endlich sollten die Sittender Schulen seyn; sowohl in gegenseitiger Achtungder Lehrer und Schüler, als in unverletzter Heilig-keit des Betragens der Schüler gegen einander.
Herders Werke z. Phil. u. Gesch. XII. R Soplrran.