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Zur Philosophie und Geschichte Theil 12 (1820) Sophron
Entstehung
Seite
192
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S o p h r o n.

icj,

ten ohne Sitten? Was helfen alle erworbeneKenntnisse ohne Gemüth? Wir wissen alle,daß unfern Zeiten mit Recht der Vorwurf gemachtwird, daß nicht, wie in den alten und ältesten Zei-ten unsre Weisheit im Leben ausgcdrückt wird,und von Sitten ausgehend, auf Sitten zurück-kehret. Sie wohnet bei) uns mehr im Kopf als imHerzen, und hat meistens mehr unser Gcdachtnißbereichert, als unsre Denkart und Sinnesartgebildet. Die unermeßliche Luxurie in den Wissen-schaften, ihre fast unübersehbare Vermehrung hatuns zu Sklaven des Wissens gemacht, oft ohne alleSelbstbildung; wie manche Jugend-Seele gingim trügerischen Occan der Viclwissenheit, der Allge-lehrsamkeit, an einer Scylla, Key einer Charybdeoder auf glatter Woge unter! O kehre, GeistGottes, zurück! Geist Gottes der alten und ältestenZeiten! als die Weisheit noch Uebung, als das Ler-nen noch Weisheit war. Kehre insonderheit in dieSchulen zurück! In unfern Zeiten, da hinter denSchulen auf Akademien oft das wüsteste, wildesteGewirr der Jch's -j- Nicht-Jch ich -f- mit Ich,und ein Gebrüll niedriger, grober Zänkcrcycn sie er-wartet. Kann man auch Trauben lesen von denDornen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte;an den Früchten erkennt man den Baum; an Sit-ten und Thaten lernt man eine Weisheit erkennen,wcß Geistes sie sey? Ob jene Weisheit von obenher ist, die, wie Jakobus sagt: keusch, friedsam,gelinde, laßt ihr sagen, ist voll guter Früchte, un-paclheyisch, und ohne Heuchelei). Oder jene andrepsychische, dämonische Weisheit, die Neid und Zank,Unordnung und eitel böses Ding bezeichnen? Geist

Gottes,