Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 12 (1820) Sophron
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

'89

S o p h r o n.

beziehet sich gewiß nicht allein auf Lehrer, die vonder Kanzel lehren: denn die so euch erziehen, sie wa-chen oder sollen wachen über die ihnen anvertrautenSeelen, ihre Seufzer bauen also auch gewiß nichtdas Glück des jungen Menschen, der sie beleidigetund betrübet. Jeder nachdenkende, wohlgeartcteJüngling muß die Mühe merken, die er seinen Leh-rern durch so manche seiner unreifen Arbeiten, nochmehr aber durch feine Fehler und Vergehungen macht:denn schon einerle» Regel und Bemerkung oft undtäglich zu wiederliolen, dieselben Arbeiten fast alleJahre wieder zu treiben: am meisten aber dieselbenFehler und Vergehungen immer wiedcrkommen zusehen, schon dies ist eine äußerst abmattende, nie-derdrückende Mühe und Beschwerde. Wird dieseBeschwerde nun gar ein nagender Gram an derSeele des Lehrers, daß er seine Arbeit für verlo-ren achtet, und statt des Danks unehrerbietige Krän-kungen von seinen Schülern erlebet; wahrlich so istdas Seufzen darüber dem undankbaren Jünglingeein Fluch auf fein ganzes weiteres Leben. Denketselbst, ihr Schüler, an manche Beyspiele eurer Zei-ten, was aus manchen Jünglingen ward, die in derSchule nichts taugten. Der Eine entlief, und muß-te ein Soldat, der andere ein Komödiant, der drittenoch etwas ärgeres, ein schlechter Schriftsteller, einerbärmlicher Ueberfetzer, ein abscheulicher Acmödien-schrelbcr u. s. f. werden, sie täuschten die Hoffnungder Ihrigen, versündigten sich an Wohlthätcrn,Eltern und Lehrern, und wurden und blieben aufihre Lebenszeit Unkraut. Ermannet euch also, m. l.und gewöhnet euch zu den Pflichten der Vernunft,des Fleißes und der Ehre von Jugend auf. Jede