S o p h r o n.
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Geschmack nicht leicht ohne den Unterricht eines le-bendigen Meisters. Hingegen wer ihn sich einmal-zu eigen gemacht hat, se» er Theolog, Jurist, oderwas er wolle, dem bleibt er immer und ewig; ernimmt in seine Kunst oder Wissenschaft das Gefühlder Humanität und Urbanität, des Guten, Richtigenund Schonen, im Sinne der Alten mit hinüber.Freuet Euch also und seyd stolz darauf, ihr Schü-ler, daß ihr noch in die Zeit gekommen feyd, da einwahrer Römer euch Latein lehrte. Jede Anmerkung,jede Lehre desselben, die ihr in Euern Papieren habt,aus dem nun erblichenen Munde dieses Lehrers, se»euch werth; seine lateinischen und deutschen gesam-melten Schriften, seine Uebersehungen aus den Al-ten, seyn in euren Händen, denn je mehr ihr dieAlten liebgewinnen werdet, desto mchr werdet ihrauch die Anweisungen dieser Art lieben lernen. Wasvon der lateinischen Sprache gilt, gilt auch von derdeutschen. Alles was der selige Mann über die Gram-matik und Prosodie derselben geschrieben und nachher sei-nen kleinen Schriften größtenthcils eingerückt, hat denBeyfall der größestcn Kenner der deutschen Spracheerhalten, und Lessing z. B. sprach von ihm alsvom richtigsten und feinsten Grammatiker unsrerSprache. Einen solchen Mann habt ihr zu EuermLehrer gehabt. Wohl dem, der den Unterricht des-selben verständig und rechtschaffen gebraucht und zusich selbst sagcn kann: ec sey im Geist und an Fleißnicht blos dem Namen und der Klasse nach, dessel-ben Schüler gewesen. War er dies, so wird er die-sen Geschmack treu und rein sich erhalten, ihn weiterbilden, die Alten, Griechen und Römer, zeiilcb.nslieben, und nie durch Barbarcy, durch ein