36
D o P h r v u.
gern, als was ihr schön dünkt. Schöne Wissen-schaften, schöne Künste sind die süßen Lockspeisen, diesie anssehn, die Früchte Hespcridischer Garten, die sicbezaubern. Das Nützlichste darf nur schwer scyn,oder eine ernste traurig« Gestalt hakten : so flieht sie's,wie das Gespräch trockner Greise; das Nutzlosestedarf nur durch seine leichte gefällige Miene einladcn,so wird es gesucht, geliebt, geachtet.
Wie nun? ist dieser Trieb der Natur, dieserHang und Zug zu allem, was wohlgefällig undschön ist, zu verachten? Beging die Natur eineSünde, da sie uns diese Neigung in das Herz gab,und insonderheit die Jahre des ersten Aufwachensins menschliche Leben damit schmückte? Beging sieeine Sünde, da sie so viele Gestalten um uns mitAnmuth bekleidete, und die ersten Jahre des Lebensauch zum Frühlinge menschlicher Empfindungen mach-te? Jsts verboten, das Schönste statt des Häßli-chen zu wählen? ists auch in den Wissenschaftenverboten? In ihnen, die di.e Zierde der mensch-lichen. Natur sind, warum sollte man in ihnennicht auch die Zierde der Zierde, den Reiz des Nei-zes suchen?
Die Natur, ,H. V., irrte nie; noch wenigerwollte sie durch das, was sie freundliches an unsthat, durch das, was sie holdseliges aus den Wegunsres Lebens legte, eine Verführerin werden. Alseine weise und gütige Mutter handelte sie, daß siedas Wahre und Gute in ihren Werken auch mitSchönheit umgab, daß sie insonderheit die erstenJahre des menschlichen Lebens zu einem Gart.cn ge-fälliger Empfindungen machte.. Schon die Neu-