8
S o p h r o n.
Atter beklagt, was er in der Jugend versäumt! wiemancher Missethäter auf seinem Richtplatz bereut,was er in der Schule von Bösewichtcrn gelernt undals Bölewicht geübt hat. Es ist eine gemeine Er-fahrung , daß (Töchter sind, wie ihre Mütter und)Jünglinge, zumal den Wissenschaften gewidmet, wieihre Lehrer. Die Sitten der Schule kleben uns aufAkademien, zu Haufe, in Aemtern und Standenoft durchs ganze Leben hin an, und die Wunden,die uns da und dann geschlagen werden, eitern nochoft im Alter. Wie nöthig, zumal in unfern Zeitennörhig, ist also Schulzucht, gute Uebungen und Sit-ten der Schuljugend! Wenn jetzt der Knabe in derSchule nichts guts lernt, wo soll crs lernen? wenner in der Schule Böses treibt, wo wird ers nichttreiben? In unsrer bürgerlichen Welt nimmt dieEhrbarkeit guter und strenger Sitten so sehr ab: disErziehung in den Hausern wird von Jahr zu Jahrso üppiger und weicher: Alles versteckt sich unteräußern Glanz der Artigkeit, Höflichkeit und Welt-sitte. Hat man sie, so kann man frech, wild, einBube seyn: ist mans mit gutem Anstande, cs ge-fallt, man wird von weichen, weibischen Sinnengeliebt und gelobet. Ein Kranz von Blumen wirddem Jüngling um Haupt und Herz geworfen unddrin sind Schlangen und Skorpione: ein Becher desVergnügens ihm an die Lippe gedrückt, der vonsüßem berauschenden Gift voll ist. So sind Gesell-schaften und Akademien: davon handeln artige Ge-spräche und Modeschriften. Der Geist davon gehtbis in Stande und Aemter, in Behandlung öffent-licher Geschäfte und Staatsverfassung, auf allgemeineSitten und Geist der Bürger und beynahe des Land-