S o p h r o n.
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DaS arme Bäumchen wird wachsen (denn wachsenmuß es) aber schief und krumm: der Acker, wenner nicht geackert und besäet wird, wird sich selbst be-säen, aber mit Unkraut. Das wenige Gute, wasder Jüngling im Schlendrian der Gewohnheit dochlernen muß, was sich gleichsam von selbst in seinOhr stiehlt, wird unter dem Unkraut ersticken, undso ist, als ob er gar nichts lernte. Herz und Seelewar nicht dabcy da er lernte, er hat also nichts ge-faßt, er kanns und wills nicht anwenden', nichtbrauchen.
Ohne Zucht, ohne anhaltenden Fleiß und Ue-bung, wie wenig ists, was wir lernen? und daswenige von wie wenigem Belange! Die Götter ver-kaufen uns nichts ohne Mühe, ihre edelsten Gabengeben sie nicht umsonst; alle gründliche Wissenschaftzumal im Anfänge und in der Jugend, muß mitSchweiß, mit Uebung gewürzt werden. Was unsnur so anfliegt, verfliegt auch: die Spreu, dendünnen Haber nimmt der erste wehende Wind fort.Daher wird von allen Verständigen der lebendigeUnterricht, das gemeinschaftliche Lernen, Schule undGymnasium so geschähet und dem Selbstlernen undSelbstlescn weit vorgczogen, eben weil Zucht, Ue-bung bey ihm vorausgesetzt wird: Gymnasium ^nämlich heißt Ort und Anstalt, der Uebung: in
allem was gut ist , Wissenschaft und Sitten sollenseine Lehrlinge nicht unterrichtet, sondern geübtwerden. Schule soll nie ohne Zucht seyn, sonstist» keine Schule^ denn eine Menge kann nie zu-sammen bestehen, (nie zusammen unterrichtet odergeübt werden) ohne Ordnung, ohne strenge Ein-richtung und Anstalt. Nur was wir üben, wis-