ries nicht nur ihm verzeihlich, sondern sehr vernünf-tig *). Der Menschheit zu viel und zu wenig Zu-trauen wollen; beides ist schädlich.
Daß es zu unsrer Zeit edle, gute, große, selbstaufopfernde Seelen gebe, diesen Glauben wird mirniemand rauben; denn ich habe ihn durch Erfahrungbewahret. Daß salbst diese Großmuch aber, wiealles Andre, das Gewand der Zeit tragen müße,kann uns nicht unerwartet scvn. Weil wir so garviel bedürfen, sind wir von gar viel Fesseln ge-bunden; daß diese drückenden Fesseln aber wenig-stens der Großmuth loser gemacht werden mochten,wer wünschet dies mehr als die achte Humanitätselbst? Fast kann sie ihres Wunsches auch nicht un-gewiß seyn, da bei dem immer wachsenden unersätt-lichen Bedürfnis; die Natur der Dinge selbst einenneuen Anfang hcrbeizuführen scheinet. Wenn jederEinzelne fühlt, er könne in seinem jetzigen Verhalt-niß der leidenden Menschheit nicht zu Hülfe kommen,wie er sollte; so werden, so müssen sich diese Ver-hältnisse mit der Zeit andern. Die Natur selbst ar-beitet daran, und keine menschliche Kraft kann eshindern. Ist das Salz, das de» Körper würzensoll, abgeschmackt; wozu ist cs nach dem Evangeliumnütz, als daß man es hinauswerfe, und lasse es dieLeute zertreten?
*) Um so mehr, da sie in der Thal nicht erfüllt wor-den sind. Nie ist besser gezeigt worden, welcherBorzug dem gesunden Verstand vor blendendenSpeculationen zukammt. M.