2,68 II. Briefe zu Beförderung
gallichle Leidenschaft der Rache ziemt nicht für Menschen,die so kurz existircn. Wir müssen wechselseitig ein-ander unsre Lhorheiten vergessen, und uns auf denGenuß des Glücks einschränken, das unsre Naturuns gönnet.
„Wenn Turenne und Louvois die Pfalz in dieAsche legten, wenn der Marschall von Belle-Jsleim letzten Kriege den Vorschlag that, ganz Hessenzu verwüsten: so sind solche Ausschweifungen ein ewi-ger Vorwurf der französischen Nation, die, so artigsie ist, sich zuweilen Grausamkeiten erlaubt hat, diS'nur für die ärgsten Barbaren gehörten. Ludwig XV.indessen verwarf den Vorschlag des Macschall Belle-Jsle, und zeigte sich hierin größer, als sein Vorfahr.
„Beim Leben der Könige ist schwerer über siezu urtheilcn, als nach ihrem Tode; ein einziger Um-stand verändert oft die Sache so, daß man billigenmuß, was man vorher verdammte. Ludwig XI V.ward bei seinen Lebzeiten getadelt, daß er den Suc-ccßionskrieg unternahm; jetzt läßt man ihm Gerech-tigkeit widerfahren, und jeder Unpartheiische gestehetein, daß er niedrig gehandelt hätte, wenn er dasTestament des Königes von Spanien nicht hätte an-nehmen wollen. Jeder Mensch macht Fehler, alsoauch die Fürsten; der wahre Weise der Stoiker undder vollkommene Fürst haben nicht existirt und wer-den nicht cxistiren. Fürsten wie Karl der kühne,Ludwig XI., Alexander VI., Ludwig Sforzia sind
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