>36o II. Briefe zu Beförderung
oft die engherzigsten Egoisten; die wärmsten Ver-theidiger des Kuren sind nicht selten die kältestenSeelen ; Adler in Worten, in Handlungen Lastthiereder Erde.
Hoffen Sie viel, sehr viel von aufgeklärten, gu-ten Fürsten; das Unmögliche aber hoffen Sie nie.Auch sie sind Menschen; und nach ihrer gewöhnlichenErziehung ists oft zu bewundern, daß sie es nochblieben. Sie tragen die Fesseln ihres Standes; dieengste Fessel ist ihre eigne von Kindheit auf gewon-nene Denkart. Selten giebt es einen Fricdcrich, dersich über das Gewohnte seiner Zeit früh und dochmit Weisheit hinaussetzt; selten! Zudem bedürfensie als Regenten genügsame Kenntnis der Dinge,Ucberlegung mit andern, zur Ausführung Werkzeuge.Wenn sie diese nun nicht finden, wenn diese sie hin-tergehen und tauschen, wenn sie endlich aus Miß-trauen zu diesen unschicklicher Weise selbst zur Sachegreifen; so wird die Geschichte Josephs II. daraus,der mit den reinsten, nothwendigsten, besten Absich-ten von der Welt im Hafen selbst scheiterte. Ach,cs muß ein Gott vom Himmel kommen, oder außer-ordentlich-gute und große, das ist, wahrhaftig gött-liche Menschen senden; oder die Verbesserung derWelt auf dem gewöhnlichen Wege der Zeit geht sehrlangsam.
Lassen Sie mich die herrschenden Gesinnungenandrer Stände und Innungen nicht durchgehn. JedeZunft bat ihren Zunftgeist; der fesselt, zumal in un-fern Zeiten, auch den besten Gemüthcrn Herzen undHände. Man fühlt die Wände des alten Systemserschüttert, und fürchtet den Fall des ganzen Gebau-