der Humanität.
287
Handlungen andrer am meisten dcclamiren, es schlech-ter als sie machen, wenn sie sich in den nämlich, nUmstanden befinden. Daß es ia mir nicht also gehe!Denn leichter ists freilich zu tadeln, als zu thun;leichter Lehren zu geben, als sie auszuüben. Unddann lassen Menschen sich ja so leicht verführen,bald durch Anmaßung, bald durch den Glanz ihresStandes, oder durch Hinterlist der Bosen, daß ihrGewissen bestrickt wird, auch wenn sie die reinstenund besten Absichten von der Welt hatten.
„Ich habe wenig Verdienst und Gelehrsamkeit;«der viel guten Willen, und eine unerschöpflicheAchtung und Freundschaft ftir Personen von entschie-denem Werth. Dabei bin ich aller der Beständigkeitfähig, die die wahre Freundschaft fodcrt.
,,Könige ohne Freundschaft und ohne Erkennt-lichkeit scheinen mir dem Könige gleich zu sebn, denJupiter den Fröschen gab. Ich kenne die Undank-barkeit nur in so fern, als ich selbst durch sie ge-litten habe, und kann, ohne Affectation fremder,mir unnatürlicher Gesinnungen, behaupten, daß ichjeder Größe entsagen würde, wenn sie die Freund-schaft ausschlösse.
„Ich verachte Vie Jesuiten zu sehr, als daß ichihre Schriften lesen sollte; ein schlechtes Herz ver-dunkelt bei mir die Fähigkeiten des Geistes. U-berdcm