283 II. Briefe zu Beförderung
leben wir nur so kurze Zeit, und unser Gedachtnißist so schwindend, daß nur das Ausgesuchteste unsunterrichten sollte.
„Die Deutschen Prinzen verachten gemeiniglichdie Gelehrten. Die unmodische Kleidung, der Bü-cherstaub, der diesen etwa anhangt, und das wenigeVerhältnis, das zwischen einem kenntnißreichcn'Kopfund dem leeren Hirn dieser Herren statt finden kann,macht, daß sie sich über ihr Acußeres aufbalten, undden großen Mann ohne Hoskleid ganz und gar nichtgewahr werden *). Der Höfling hält das Urtheildes Fürsten zu hoch, als daß er anders als Er zudenken sich getrauen sollte; sie affcctiren also auch,die zu verachten, die tausendmal mehr als sie selbstwerth sind. O Zeiten ! o Sitten I Ich, der ich michüberhaupt nicht für das Zeitalter geschaffen fühle,in dem wir leben, mag dem Beispiele meiner HerrenMilbrüdcr nicht Nachfolgen; ich predige ihnen unauf-hörlich, daß der Gipfel der Unwissenheit Hochmuts»sey, und glaube, daß ein großer Mann, der überwir ist, auch meine Achtung verdiene.
„Das lebhafteste Vergnügen, das ein vernünf-tiger Mensch in der Welt haben kann, ist neueWahrheiten zu entdecken; das nächste nach diesemist, alter Vocurlhcile los zu werden.
* 4 * „Die
*) Diese und einige andere Bemerkungen Friedrichshaben sich Gottlob seitdem hie und da verändert.