2So II. Briefe zu Beförderung
Angenehme GefühleUnd mein Genius reißenAllgewaltig mich zu euch,
Ketten ewig an EurenSicgeswagen mich an.
Fast immer tönet diese Stimme um mein Ohr,wenn ich Friedrichs Schriften lese. Man wandeltin ihnen wie auf klaßischem Boden; ein Gefühl fürdie Würde, den Werth, die Schönheit der Wissen-schaften ist in seine kleinsten und größesten Aufsatzevenbreitet.
Insonderheit lebt sein Geist in einer gewissenReihe erwählter größerer Seelen, dieer, meistens aus dem Alterthum, sich zu Licblings-namen seiner Phantasie, zu Vorbildern, an denener gern verweilet, ausersehn hatte. In Handlun-gen des Krieges und des Friedens, in Geschäftender Regierung, und in Beziehungen der Mensch-heit kommen sie ihm oft wieder, als alte Lehrer undFreunde; so wie cs denn bekannt ist, daß er nurwenige Schriftsteller, diese aber immer von neuemlas und in seine Gedanken prägte. Nach gewissenJahren wollte ihm das Neue nicht mehr genug thun;er fand eine Spitzfindigkeit oder einen mathematischenCalcul in Schriften, wohin diese nicht gehörte. Diealten großen Formen weniger Hauptgedanken lagenin ihm, von denen er sich ungern trennen mochte.In Sachen des Vortrags sah er Voltaire als dieletzte Stütze des Geschmacks an, der unter LudwigXIV. gewesen war,'und unter Ludwig XV. u. XVI.freilich nicht mehr seyn konnte. Dagegen sieht er