274 II. Briefe zu Beförderung
es, weis uns entzweiet; und dem, dünkt mich, mußund wird die allmächtige Zeit obsiegen.
Denn sagen Sie, was hindert uns Deutsche, unsallesammt als Mitarbeiter an Einem Bau der Hu-manität anzuerkennen, zu ehren, und einander zuhelfen? Haben wir nicht alle Ein« Sprache? Eingemeinschaftliches Interesse? Eine Vernunft? Einund dasselbe menschliche Herz ? Der Philosophie, undKritik hat man nirgend den Weg versperren können;sie arbeitet sich überall durch; sie wird in allen gutenKöpfen rege. Ihre Regeln sind allenthalben die-selbe; ihr Zweck allenthalben nur Einer. Auch derWetteifer verschiedncr Provinzen gegen einander kannnicht anders, als diesen Zweck befördern.
Ruhm und Dank verdienet also ein jeder, derdie Gemeinschaft der Länder Deutschlands durchSchriften, Gewerbe und Anstalten zu befördern sucht;er erleichtert die Zusammenwirkung und Anerkennungmehrerer und der verschiedensten Kräfte; er bindetdie Provinzen Deutschlands durch geistige und alsodie stärksten Bande.
Daß uns eine Hauptstadt fehle, thut zu unsrerSache gewiß nichts. Der Ausbildung des Geschmacksmag ihr Mange! ein Hindernis; seyn; und auch derGeschmack kann durch sie eben so wohl verderbt undgefesselt werden, als sie ihm Anfangs Politur undFlügel verleihen mochte. Einsichten aber, ruhigeUebcrlegungcn, thatige Versuche, Empfindungenund Acußcrungcn dessen, was örtlich und allenthalbenzu unserm Frieden dienet; sie verschmähen die Mauerneiner Hauptstadt und suchen das freie Land; ihr«