zu Beförderung eines geistigen Reiches. 93
flog die Schaule empor, voll Dnmpf und Nöauch.Auf der andern niederschwebcnden stand — heiligerAnblick — der Ebristenkelch in seinem bescheidenenGlanz; über ihm lag das Brot der Barmherzigkeitund Milde. Und so liebreich blickte mich das Augean! (Ich fühlte in ibm das Sensorium derganzen Schöpfung, das Alles sehe, Allesempfange, verzeichne und erstatte.) Die Stimmesprach: „Was Ihr gethan habt der Geringsten Ei-nem , thatct ibr Mir!" — Dampf und Nebel derzweiten Schaale waren verschwunden; sie schwebtedieser gleich und auf ihr, dem Kelch gegenüber,blühte die Lilie, wehte die Palme. Friede war inmir: ich erwachte.
Nun weißt Du, Winnfried, was meine Reli-gion aller Religionen ftp. Eine Ad ra-sten ists, aber in einer weit höheren Gleichung,als ibr die Griechen je gaben. Diesen war sie zu-erst eine neidige, dann eine warnende oder strafendeGöttin; ihr höchster Sinnspruch war: „nicht über
das Maas." Die Nemesis des Ehristenthums setztin der moralischen wie in der phnsischen Welt Gleich-gewicht und Vergeltung in Allem, demGeringsten und Größten, als Naturgesetz zum Grun-de; die Bestimmung des Menschen aber hebt sie zuUcber Windung des Bösen durchs Gute,zur beharrlichen Großmut!) wohlthätigempor. Menschlichkeit endlich macht sie zurZunge der Waage, und, als Compensation der Vor-sehung , gleichsam zur entscheidenden Stimme desWeltnchters; des Richters, der immer kommt undda ist, der Alles empfängt und Alles vergütet.