02 I. Unternehmungen d. vcrgang. Jahrhunderts
und Sterne das einzige ewige Wort „D e r g e l tu n g!"Durchdrungen vom (Gefühl des großen Gleichgewichtsdas in der Natur Alles hält und tragt, das lasBewegte zur Ruhe bringt und das Ruhende bewe-get, in Stoß und Druck eben so sichtbar als in dermoralischen Welt, erwachte ich zum zweitenmal undfreuere mich einer Welt, die, aus so feste Gesetzegegründet, Allem Maas und Ziel gicbt und zu derauch ich gehörte. Nichts, suhlte ich, verklinge inder Schöpfung; Alles wecke und halte seinen Ton.Nur das Nichtige gehe unter.
Der Traum umfing mich zum drittenmale. Aufeinem vicrcckten Marmorfuß voll emblematifchcc Bil-der stand eine Säule vor mir; so hoch und schön sahsie mein Auge nie. In schlanker Velgüngung hobsic sich zu den Sternen, oben bekränzt mit einemHellen Kranz. Nicht Lorbeer waren seine Blatter,sondern Myrrhen und Rosen. „Standhaftig-keit!" rief eine Stnnme, und von allen Sternenerklangen Gesänge, von denen mir nur die letztenWorte blieben:
„Misklang loset sich auf in Wohlklang" —
„Misklang löset sich auf in Woblklangl" hallte meinZnncrstes zurück; und an der Säule ging hervor —wie n-nne ich dir, was jetzt mein Blick sah? dieewige Waage des Weltgerichtes. Auf der EinenSchaale lauter vorübergehende Scenen; jetzt Kronen,Seepter, Schwerter, Waffen, Ehrenstäbe; die Schaaleflog auf; zerbrochen und zerstreut sielen sie nieder.Jetzt Ungeheuer, Schlangen, Skorpionen; sie wuche-ren , verzehrten einander oder stürzten herab. Leer