72 I. Unternehmungen d. verging. Jahrhunderts
Oder wir gehen in bleiernen Mänteln daher, wie inDante's .Holle die Heuchler. Unter ihnen lechztunser Geist wie unser Herz, ohne Religion,d. i. ebne innere Gewissenhaftigkeit und thätigeWahrheit.
D. Mich dünkt, wir sprechen von einer i n-dividuellen Religion, da wir von National-Religionen sprechen wollten.
W. Aus jener werden diese. Aus Familienentspringt ein Volk, aus der Sprache verwandterStamme eine Nationalsprache. So auch National-Religionen. Gehe die ältesten aller Welttheile durch;dem väterlichen Boden entsprossen, auf Stammessa-gen, auf Familien-Bedürfnisse und Aussichten, aufdie zarteste Physiognomie des Volks, auf die tiefstenZüge seines N a t io n al c h a ra k re r s waren undsind alle Nationalreligionen gegründet. Die Religionder Juden selbst — war sie nicht ganz eine Reli-gion Palästina's?
D. Sie wars, nach Zeit - und Ortsumständen,^ unter denen sie errichtet ward. Als aber die Zeitensich verändert hatten, taugte sie selbst für Palästinanicht mehr; deßhalb eben erschien das Christenthum,um alle verlebte oder sich bald verlebende National-Religionen —
W. Zu zerstören.
D. Halt, Freund. Wozu sandte der StifterdeS Christenthums seine Boten unter die Völker? Zuzerstören oder zu lehren?
W- Indem sie lehrten, zerstörten sie; Götter-bilder, Opfergefäße, Gebräuche, Tempel.