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Zur Philosophie und Geschichte Theil 10 (1820) Adrastea ; 2
Entstehung
Seite
71
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zu Beförderung eines geistigen Reiches. 70

W. Und zur Unterhaltung mit dem Urheberunsres Daseyns, dem Forscher unsres Herzens, demKenner unsrer Gedanken, zu ihm wollten wir andersals aus der Tiefe unsres Herzens reden? Ihm woll-ten wir eine gelernte, fremde Hofsprache als Formu-lar hersagen?

D. Wenn aber diese gelernte Sprache denBegriffen der Religion angemessener oder kräftigerwäre?

W. Ist sie meinen Begriffen nicht angemes-sen, entsprang sie nicht aus meinen eigensten Be-dürfnissen und Gefühlen; so kräftig sie andern sep,sie ist nicht meine Religionssprache. Heuchle nicht,Dietrich. Freundschaft und Liebe, so wie das innig-ste Anerkennen der Wahrheit wollen die eigensteHerzenssprache.

D. Und der Cultus?

W. Was nennst Du Cultus? Jsts die Artwie wir mit Gott und unserm Schutzgeist, mit allenHeiligen und Seelen umgehn; so kann er nicht herz-lich und innig genug werden. Jede erlernte fremdeHof- und Modesprache ist diesem Dienst Heuchelei,Gaukelei, Lüge. Und zwar die ärgste Lüge: denn

wer mit Worten, die er spricht, mit Gcbcrden, dieseine Gesinnung bezeichnen sollen, Gott nicht treu ist,wie sollte er sich, wie Andern Treue erweisen? Sa-gen wir Formeln vor ihm, die wir nicht verstehn,spielen Gebräuche, die aus fremden Völkern und Zei-len entlehnt, unserm innern Sinn fremd sind; o soverdammen wir uns lebendig und leibhaft zur Schat-rcnwelt hinab, wälzend leere Fässer der Danaiden.