7« I. Unternehmungen d. vergang. Jahrhunderts
nen, auf die du so viel zu halten scheinst, sanft undvertraulich reden. Wirst du eS mir verübeln, Winn-fried, wenn ich dennoch das Christenthum für dieReligion aller Religionen, aller Volker halte?Ein Hier und Eine Heerde ist seine stille Losung.Du kennest dies Bild. Es ist ein beliebtes Symboldes Christenthums auf seinen ältesten Kunstdenk-mahlen.
W. Der Fischzug Petri wohl auch? Sage mir,Dietrich; was unterscheidet, was sondert Nationen?Etwa: Flüsse und Ströme?
D. Die überschifft man; Berge und Mauernübersteigt man. Was Völker genetisch unterscheidet,ist — Bildung und Sprache. Unter Bildungverstehe ich nicht sowohl Cultivation, sondernPhysiognomie der Seele und desKörpers.
W. Und was verstehst Du unter Religion?
D. Ich nehme das Wort in Römischem Sinn.Scheu vor den Göttern, heilige Ver-pflichtung.
W. Wohlan nun ; in welcher Sprache wird-darHerz sich den Göttern am liebsten und innigsten ver-pflichten? Nicht wahr? in des Herzens eigenster,d. i. in unsrer Muttersprache. In welcher Sprachewir lieben, beten und träumen, das ist unsreeigenste, unsre Religionssprache.
D. Daran ist Etwas. Selten wird uns zujeder Art der Unterhaltung jede Sprache gleich rechtseyn.