Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

333

nicht so arg ist. Ich will gern von dir lernen, aber du mußt auchvon mir, glaub mir, das ist auch nöthig."

Gieb noch einen Armvoll her, es geht noch in die Wiede",endete Bläsi und der Friede war abgeschlossen. Im weiteren stillenArbeiten wollte er zwar Anfangs die Mahnung Erdmuthe's ver-werfen, aber er war ehrlich genug, ihr doch Recht zu geben undes war ihm eine Freude, ihr Recht geben zu können.

Diesseits der Regentage war Emsigkeit und Heiterkeit aufdem Felde noch eine verdoppelte. Selbst der allzeit finstere Gott-fried sagte einmal seiner Frau, so lustig sei noch nie eine Som-merszeit gewesen und er befahl ihr, daß sie bei der Sichclhenketeauch nicht sparen solle.

Mit der hohen Erntezeit hörte das Bedrängen der Arbeitnicht mehr auf. Es ging an's neue Einbauen der kaum befreitenAccker. Männer und Frauen hielten sich an verschiedene Arbeit,diese mußten Hanf jäten, den Samen ausklopfen, spreiten undim Weiher cinweichen und dazwischen die Ernte unter dem Bodenhalten, Kartoffeln und Rüben einthun und der hunderterlei klei-nen Thätigkcit obliegen, die ein ausgebreitetes Feldgeschäft mitsich bringt. Bläsi hatte meist mit dem Eiusäcn zu thun und kammüde nach Haus, denn das Säen gehört zu den beschwerlichstenArbeiten: ein bis zwei Simri Saatfrucht vor sich hertrageu, indem schweren Boden, wo man kaum die Füße heben kann, sichin gleichmäßigem Schritte und gerader Linie halten und dabeiallzeit einen gleichmäßigen Wurf thun wenn Bläsi Abendsheim kam, schlief er bald ein und cs war nicht abzusehen, wanndie Angelegenheit mit Erdmuthe enden sollte.

Man schnitt eines Tages wieder gemeinsam den Späthaberan dem Hubelberg, die Blätter an den Bäumen fingen schon anzu vergilben, an den Bergen hingen Wolkcnflockcn und ein leiserHerbstduft wob über den Feldern; da kam Gottfried mit einemfremden Herrn zu den Schnittern auf das Feld. Erdmuthe mußteibm auf den Wunsch der Genossen nach altem BraucheinsWeisch fangen." Sie nahm eine Handvoll Aehren, wand sie dem