Ein Seclcnlicht.
Tag um Tag verging, man hörte nichts von Erdmuthe. AmAbend vor der Hochzeit seiner Schwester, als die ganze Familiesich im Hanse Gottfrieds versammelte und jene stille Lust alleHerzen belebte, die ans der Schwelle eines freudigen Ereignissesso still wonnig macht, da war auch Bläst nicht unter den Ver-sammelten zu sehen, er war allein und gedankenvoll den Weggegen Scebroun hinausgegaugcn, er saß unter dem Apfelbaumam Wegweiser, von dem seht die Blüthcnblättcr abfielen unddie Straße und den Rain wie zum Einzüge einer Freude schmück-ten. Bläst ging weiter bis gegen Seebronn, er hielt den Ringin der Hand mit dem er Erdmuthe schmücken wollte, aber siekam nicht und doch hatte er sic für heute so sicher erwartet; erwollte weiter und immer weiter wandern bis nach Leutcrshofen,ein unendliches Verlangen trieb ihn und doch kehrte er wiederum, er wollte die Freude im Eltcrnhause durch sein Ausbleibennicht stören. Er fand noch Alles, was unverwandt war, ver-sammelt, man labte sich jetzt an der kommenden Freude wie audem Dufte der frischen Kuchen, der das ganze Haus durchdraug,der Genuß selber gehörte dem morgenden Tage. Bläst erwidertekein Wort als seine Schwester ihm sagte, daß sic ihm zum letz-tenmal sein Sonntagsgewand hcrrichte und er sie oft vermissenwerde, denn sic heirathetc einen Holzhändler im Enzthale. Bläsiwar seiner ganzen Umgebung entrückt, er musterte die Anwesen-den Alle nach einander nur um aufs Neue zu sehen, daß Erd-muthe nicht unter ihnen und Niemand sie vermißte als er allein.Als man ihn damit neckte, daß nun das Heirathen an ihn kämeund daß er sich umschauen müsse, antwortete er nichts und man-