terlistig verließ? Oder wollte sie auch Bläsi beweisen, daß sic fürsich allein Kraft genug besaß?
Noch einmal siegte die überströmeude Macht jugendlicherLiebe und mit dem Rufe: „Es gicbt gar kein Geld in der Welt,horch wie der Fink da über uns lustig ist und hat keinen Kreuzerim Sack," umhalste sie abermals den Bläsi und tausend Erinne-rungen und Begegnungen wurden ausgetanscht und gelacht undgejubclt und sic erfanden verschiedene Küsse, der eine war für denVetter, der andere war für den Bräutigam, der eine war fürdie Base, der andere für die Braut. Bald mußte Bläsi aufstchcu,des Weges dahcrkommeu, grüßen und ein Gespräch anknüpfenwie es früher hätte sein sollen, bald mußte Erdmuthe die gleiche Nollespielen und sie verstand cs noch viel scherzhafter und dann saßensie wieder beisammen und hielten sich umschlungen und dann hießes: «Jetzt ist wieder ein Jahr vorbei" und noch eines wurde ge-spielt und immer wieder. Die Sonne sank nieder als Bläsi sagte:
„Sieben und siebenzig Jahr möcht ich so leben."
„Und hernach laß ich mir noch was drcingebcu," lachte Erd-muthe. Bläsi bedauerte, daß er nichts habe, das er ihr als Licbes-angedenken geben könne, aber er versprach ihr, wenn sie zur Hoch-zeit der Rosel komme, ihr einen goldenen Ring zn geben.
„Silber oder Gold ist mir eins," scherzte Erdmuthe.
„Das Wort gilt," bestätigte Bläsi und wie erschreckt fuhrsie zusammen vor diesem Zusätze: hatte sie nicht ihrem Vater auchdas Wort gegeben, fest und standhaft zu bleiben? Durfte sie aufdas Wort eines andern, durste man auf ihr Wort mehr trauen?
Wie das immer nach gewaltigen Erregungen der Fall ist,hielten sich Bläsi und Erdmuthe still Hand in Hand. Sie gingendie verödete Landstraße und Bläsi betrat gerne die spitzen zer-schlagenen Steine und ließ ihrem Fuß das glatte Geleise. Erd-muthe hatte ihm gesagt, daß ihr Vater in Secbroun auf sic warte.Bläsi wollte mitgehen, er wollte ihr Beistand sein, aber sie wehrteab und Bläsi mußte ihr sogar heilig geloben, sich nichts drein zumischen und nicht nach Leutcrshofen zu senden oder zu kommen:sie fürchtete durch die Einmischung der Eottfriedischcn von ihrem