Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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Tie Sonne geht nieder.

Ein lustig grünender Baum am Bache, dem Plötzlich undauf immer der Bach abgegrabcn wird, der seine Wurzeln tränkte,kann von seinem Schmerze nichts kundgcbcn und verdorret still:der Mensch aber, auch der an die Scholle gebundene, kann dochklagen und schelten wenn er verkümmert und einen Versuchmachen, ob er neuen Boden gewinne.

Die Eisenbahn, die durch das Schwabcnland gezogen wurde,beschäftigte alle Eemüthcr landauf und landab: man schalt dar-über, man stritt hin und her und die Klüger» lachten ob derneuen Mode, die auch wieder aufhvren würde wie viele andere.Die Eisenbahn wurde vollendet, allerlei Fabelhaftes ward erzähltund es zeigte sich, daß sie einen guten Thcil des Verkehrs auchder weit abgelegenen durch Lcutcrshofcn führenden Landstraßeentzog. Der Vorspann wurde geringer, aber Cyprian fand einneues Mittel, er kaufte einen im Ort nie gesehenen Stcllwagcnund ließ ihn regelmäßig jede Woche zweimal nach der Haupt-stadt gehen: er sicherte sich dadurch einen regelmäßigen Verdienstund eine nicht unergiebige Einkehr in seinem Wirthshause: aberkaum ein Jahr war vorüber als ein neues Mißgeschick sich anihn herangrub. Die ganze neue Straßenbankunst gewann durchdie Erfahrungen bei der Eisenbahn eine veränderte Wendung:hatte man ehemals die Straßen über Berge geführt, so scheuteman jetzt einen Umweg nicht, wenn man nur die Straße mög-lichst eben legen konnte. Die neue Welt will im Trabe fahrenund nicht mühselig über Berge kriechen. Tie Jahrhunderte alteHeerstraße wurde dem Thale nahe gelegt und durch Brücken undDämme geschützt. Ganz Lcntcrshofcn, besonders aber der Son-