273
Menschen umging, die sich nicht zur- Gesellschaft eines reichenBauern schickten; ja er kegelte oft ganze Sonntag Nachmittagemit halbwüchsigen Burschen, wo cs noch mehr Schande war,ihnen Geld abzngcwinnen, als cs an sie zu verlieren. WennGottfried seinem Schwager in dem Marktflecken Lcntcrshofcn aufdem Kornmarkle oder im Wirthshause begegnete, grüßten sieeinander und wechselten auch manchmal eine Rede, aber offen-bar mehr der Leute wegen; sie saßen dann an gesondertenTischen, jeder bei seiner Kameradschaft, und daheim im Dorfewichen sie einander wie auf eine Verabredung ans. Alansagte, die Frau Cyprians sei an dieser Mißhclligkeit schnld,da sie es nicht dulden wollte, daß Cyprian in der gewohnten Ab-hängigkeit von Gottfried, keinen Pfcrdekauf, nichts unternahm,ohne die Entscheidung des Schwagers einznholen. Cyprian haßteaber seinen Schwager von selbst und der Haß wächst auf dem ver-schiedensten Grund und Boden. Einst war Cyprian stolz daraufgewesen, mit Gottfried verschwägert zu sein, jeßt war er vollAcrgcr, daß immer nur von Gottfried die Nede war, daß Jederim Dorfe und auswärts nur so viel Geltung hatte, als Gottfriedihm zukommcn ließ. Der Hauptgrund des Hasses war aber, das;Gottfried immer reicher wurde, während Cyprian trotz seinerArbeitsamkeit, so oft er einen außergewöhnlichen Vortheil zu er-ringen hoffte, fast immer Schaden erlitt; er wollte in Kauf undVerkauf seinen eigenen Weg und nicht Gottfried nachgehen wiedie anderen, und meist schlug das bös ans. Mit der Wohlhaben-heit Gottfrieds wuchs auch der Haß Cyprians gegen denselbenund während man Gottfried äußerst genau, ja karg nennen konnte,schalt ihn Cyprian geizig, habsüchtig und blutsaugcrisch, und esgab gute Leute genug, die diese Aeußcrungcn Cyprians dem Ge-scholtenen mit der üblichen Zuthat hinterbrachten. Das stille ab-gelegene Dorf, in dem noch nach der reichen Bauern Art, einJeder für sich abgeschlossen lebte, schien aber auch keine rechteHeimath mehr für Cyprian; er saß oft ohne erkennbaren GrundTagelang in der diesseitigen Amtsstadt oder in dem Marktfleckendes Grenzlandes und wenn er in die Wirthsstuben trat, wußte
Auerbach's Dorfg. 4. Bd. 18