Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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Auf dcr Bergwiesc vor ihrem Hause war es heute Nacht le-bendig, man mähte das Oehind und der würzige Thandust stiegzu Zilge empor, aber das Schnittrascheln der Sense zuckte ihrdurch das Herz. Sie hielt mit der Hand fest die Fensterleiste, alswollte sie damit ihr Haus festhalten, und cs nicht ans dcr Handgeben. Kann das Elend noch tiefer gehen? Warum kann mannicht sterben vor Kummer? Wie lange mußt du warten, bis derTod dich nieder mäht? Das war ihr einziges Denken.

Des Zieglers Hund im Thale bellte, nnd alle Hunde imDorfe bellten ihm nach. Wenn ein Hund einen Feind abwehrtoder für sich klagt, stimmen Alle ein, die Menschen aber . . .Zilge rieb sich oft die Angcn, aber sic konnte nicht weinen, unddie Augen mit dcr Hand zugedrückt, legte sie das Haupt aufdas Fenstersims . . .

Da öffnet sich die Thürc.

„Wer ists? Wer will was?"

„Ein Bettelmann kommt und bittet."

Wehe! was ist das für eine Stimme?

„Hülse! Hülfe!" schrie Zilge zum Fenster hinaus.

„Sei ruhig, liebe gute Zilge, ich bin's, dein Mann —"

„Weg, weg, fort, ich will dich nicht, lebst du oder bist dutodt, ich will dich nicht, nicht in dieser Welt und nicht in jener."

Eine Hand legte sich ans Zilge, von Fieber geschüttelt zucktesie zusammen, dann schrie sie laut ans und sank auf den Boden.

Die Mäher, die den Hülfcruf gehört, kamen herbei, Scb,denn dieser war es, hieß sie wieder gehen, seine Frau habe eineOhnmacht bekommen, sie sollten nur den Nachbar Küfer undseine Frau holen.

Er richtete Zilge auf, und plötzlich fing sie laut an zu lachen.

„Gelt, du bist dcr Maurer Seb? Ja der Maurer, du hastmich lebendig cingcmaucrt. Rühr mich nicht an, nie, nie, undwenn du mit der Krone auf dem Kopfe wicderkommst, ich willdich nicht mehr, geh' hin, wo du gewesen bist, geh, geh."

Sic stieß ihn mit großer Macht von sich, und fing dann anlaut zu weinen und zu schluchzen.