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Das Kind genas und Zilge musitc nun die Nächte hindurcharbeiten, sie schüttelte oft den Kopf, wenn sie des Wiedersehensgedachte. „Tn kommst zn spät", sprach sie dann oft vor sich hin,sie dachte an ihren Tod, und an die Erkaltung ihres Herzens.
Neues Ungemach kam, Zilge konnte nicht mehr sticken, ihreAugen wurden krank, und dabei klagte sie dein Arzte, daß siesich oft wie besessen vorkämc, sie habe so schwere Gedanken, daßsie oft aus dem Schlaf laut aufschrcic, und es ihr am HellenTage manchmal vorkämc, als müßte plötzlich Jemand die Thüreanfrcißcn, und ihr mit einer Axt das Hirn einschlagen. Der Arztwußte kein anderes Mittel, als daß sie die sitzende Lebensweiseanfgebe.
Zilge verstand sich nicht auf die Feldarbeit, eine Fabrik warnicht in der Gegend, sie faßte aber dennoch einen raschen Ent-schluß.
In unserer wohlregierten allseitig beschützten Welt bedarfaber jede ans dcrLinie gehende Thätigkeit der amtlich gestempel-ten Erlaubnis;. Ter Schultheiß, bei dem sich Zilge ein Leumunds-zeugnis; holen musitc, billigte ihren Entschluß, das; sie Lumpen-sammlern: werden wolle, er rieth ihr aber, ihr Hänschen zn ver-kaufen, denn so lange sie das hatte, mußte sie neben den Zinsenfür die Hypothekenschuld auch noch Gemeinde- und Staatsstcuernbezahlen. Zilge, die nichts hatte als ihrer Hände Arbeit, um sichund ihre Kinder zn ernähren, mußte Steuern zahlen zur Erhal-tung der Gerichte, der Militärmacht und des ganzen sogenann-ten Staatsorganismus. Sic konnte aber doch ihr Haus nicht auf-geben, schon der Gedanke daran war ihr, als würde sic mit ihrenKindern auf die Straße gesetzt; sie hatte sich ihr Lcbenlang nacheinem „eigenen Unterschlupf" gesehnt, lieber wollte sie sich nurhalb satt essen, che sie solchen aufgab.
Mit knapper Noth kam sie bei ihrem ersten Schritte in diefremde Welt straflos davon. Als sic das ausgestellte Patent, dassie zum Lumpensammcln ermächtigte, bezahlen sollte, ergoß siesich in heftigen Worten: Warum sic denn seit Jahren Steuernbezahle, daß sie nun, wenn sic einmal das Gericht brauche, noch-