bis ms Herz hinein schauerte sic, und sic stieß in die schneebedeckteWelt hinein einen grässlichen Fluch gegen ihren Mann aus. Ein wir-beliges Taumel», eine Schlafsucht ergriff sie, daß sie mit starren Hän-den sich die Augen rieb, aber der Schlaf wollte sie überwältigen,schon wollte sie sich niedcrlcgen, da schoß sic ans, schlief sie hier ein,war sie des Todes. „Meine Kinder! Meine Kinder!" rief sieim Weitcrschreiten, und rannte aus voller Macht dahin, bis sieendlich ihre Schritte mäßigte. Zwiefach arm kehrte Zilge wiederheim, sic war verlaßen und von Haß erfüllt. Und doch als sievon fern ihr Häuschen wiederum sah, überkam sie ein gewissesGefühl der Geborgcnheit i draußen ist die Welt so kalt und starr,da ist doch eine warme sichere Stätte, da bist du daheim und mitFleiß und Ergebung wird sich alles ertragen lassen. „Gott seiLob und Dank, daß ich gesund bin," sprach sie vor sich hin undfaltete die starrkalten Hände. Als am Abend der kleine Johannesin sein Nachtgebct seinen Vater cinschloß, fuhr sich Zilge mit derHand über die sträubenden Haare: das Kind segnete den, demsie heute geflucht, der ganze Jammer ihres Lebens sprach sich daaus, Segen und Fluch, Liebe und Haß stritten mit einander.Welches wird die Oberhand behalten? . . .
Der Morgen nach einem erfahrenen Ungcmachc erweckt dop-pelte Pein, und doch hat sich ^abci der erste grelle Schmerz imSchlaf geklärt. Zilge wußte nun, was sic zu ertragen hatte, undnur eine Weile konnte sie sich der schmcrzgelähmten Mattigkeithingcbcn, die Alles absichtlich noch mehr verkommen läßt, undsich fast dessen freut, daß Schlag auf Schlag das Schicksal peinigt.
Am ersten Sonntag, nachdem sie die Gewißheit ihres Un-glücks hatte, durchblätterte sie das Gesangbuch hin und her, end-lich stand sie auf und sagte:
„Da stehen Lieder und Gebete für alle Leiden und Krank-heiten, für meines nicht, das ist unerhört, das hat noch keineMcnschcnsecle erlebt."
Zilge erinnerte sich jetzt, daß ihr Mann ihr die Gemeinde-Versorgung in Aussicht gestellt, ihr Ehrgefühl und ihr Stolz er-hob sich, sic wollte der Welt zeigen, wer sie sei, und cs erschien
Aucrbach'S Torfg. 4. Db. 16