Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

schmückten Heiligenbildern wird er selber eine Art Priester, indemer laut die üblichen Gebete spricht und Alles um ihn her kniet.

Wir sind längst auf Grund und Boden des Furchenbauern,aber der Weg ist noch lauge genug, daß wir uns einstweilen er-innern können, zu wem wir gehen, bis wir den Manu selbst voruns haben. Damals als wir mit dem Brost auf der lustigenHochzeit in Endringen waren und den Bändelcstauz entstehensahen, damals hatten wir uns vorgesetzt, die Geschichte des Fur-chenbauern zu erzählen. Wer damals das glückselige und reichgesegnete junge Paar erschaute, konnte nicht ahnen, welch einschweres Geschick ihm bevorstand, das sich mit der Zeit erfüllte.

Freilich, stolz und eigenmächtig war der junge Furchcubauerschon damals, hatte er ja dem armen Brost einen Taglohu dafürgeben wollen, wenn er mit Tanzen und Singen die Hvchzcitsgästeerlustige; schon damals blickte der Furchenbauer mit einer stilleninnern Verachtung auf Jeden herunter, der ihm nicht glcichstandund hielt es nur selten der Mühe wcrth, in Wort und Mienendas auszusprecheu. Aber warum soll ein junger Baron in schwar-zem rothausgeschlagcnem Sammtrock, rvthcr Weste und Leder-Hosen nicht eben so stolz sein wie einer mit Epaulctten und gold-gesticktem Halskragen? Ter Furchcubauer konnte sich neben jedemRittorbürtigeu sehen lassen. Er war alleiniger Erbe oder wie manes hier zu Lande noch heißt, der Lehnhold des großen Gutes vonder langen Furche, das sich in Wald und Feld weit über Bergund Thal ausbrcitet; er hatte acht Roß im Stall, eben so vielOchsen und die Doppelzahl Kühe und Rinder und Alles warschuldenfrei, denn er hcirathcte die Tochter des reichen fetten Eän-banern, des Vogts von Sickenhofen, der den ehrenvollen Un-namender Schmalzgraf" hatte, und von dem Beibringen derFrau konnte die ausbedungcne Losung der einzigen Schwester,die nachmals den Gipsmüller heirathcte, blank ansgezahlt wer-den ; der einzige Bruder, der sich dem geistlichen Stande weihte,erhielt nur einen Theil des ihm Ankommenden, das klebrige ließer ans dem elterlichen Hofe stehen, es war ja ohnedieß das ein-stige Erbe der Brnderskinder.