historisch-philosophischer Schriften. 36Z
des, wenn sie gleich nicht so lebhaft als ein Romanoder Drama seyn kann und seyn soll, wird dem ru-higen Leser dennoch unterhaltend und lehrreich seyn;sie belohnt ihr« mindere Lebhaftigkeit durch einen rei-neren Umriß der Wahrheit.
3) Unter allen gesellschaftlichen Verhältnissenist das Band der Geschlechter und Fa-milien, das zarteste, das die Geschichte entwickelnkann und festhalten sollte; denn auf ihm beruhet
nicht nur der ächte Ruhm einer Nation, sondernauch ihr innerer daurender Wohlstand. Kriegstugen-den sind nur abwehrcnde Tugenden; wo sie angrei-fen, erobern, zudringlich und überlästig werden,hören sie auf, Tugenden zu seyn, und werden erstandern, dann der Nation selbst fürchterliche Dämo-nen. Indem sic den häuslichen Wohlstand Fremderzerrütten, bringen sie durch Ueberspannung der Be-dürfnisse, der Neigungen und Kräfte eine Unformzuwege, in der sich die Mutter aller häuslichen undbürgerlichen Glückseligkeit, die Sophrosync, amwenigsten erkennet.
Immer also höre ich lieber der Deutschen häus-liche Tugenden, als ihre Kriegsthaten — loben.In den alten wilden Zeiten drängten sie als ge-drängte Völker andre Nationen und setzten sich, wound wie sie konnten. In den mittleren barbarischenZeiten hielten sie rohere Völker, Hunnen und Mon-golen in ihrem verheerenden Lauf auf, oder ließensich, treu der Fahne des Gehorsams, gegen welt-und geistliche Mächte bis ans Ende der Welt führ,ren, und vergaßen darüber, sich in ihrem LandeHerders Werfe z.Phil.u.Gisch.XIH. Aa