363 H. Nachlese
sind Sitten und Charaktere, sotvohl der Völ-ker, als einzelner Menschen. Diese in's Licht zustell!!!, sie durch Erweise und Vergleichungen spre-chend zu machen, ist der edle Zweck einer psychago-gisehen beschichte. Welche Nation dies am bestentl at, die bearbeitete das Feld der Begebenheiten auf'snutzbarste, auf's angenehmste.
Daß wir Deutsche hierin» nicht nur den Alten,sondern auch einigen benachbarten Nationen nochnachstehen, ist eben so bekannt, als oft beklagt wor-den. Namenverzeichnisse, Genealogien, die Beschrei-bung von Kriegszügen, Helden - und Staatsactio-nen , das Skelet des Herkommens endlich hindertenUnS oft, den Geist der Zeit zu entwickeln, dieMenschengeschichte für Menschen sprechen zulassen, charakteristisch, sittlich.
Zwar suchte man diesen Mangel seit einemhalben Zahrhundcrt durch ein andres Extrem zu er-setzen, indem man Geschichte mit Roman mischteoder gar historische Charaktere undramatisch drei-mal isirte; es liegt aber am Lage, daß dadurchdie poetische Kunst so wenig gewann, als die Ge-schichte. Sogenannte historische Romane sind gemei-niglich die langweiligsten Romane, historische dieschläfrigsten Dramen; und überhaupt giebt es demGemülh eine unangenehme Empfindung, wenn ohneEreichung einer Kunst-Idee das Geschehene unddie Dichtung dergestalt vermengt werden, daß mannicht weiß, was man liefet. Die reine historischeExposition eines Zeitraums, eines gesellschaftlichenVerhältnisses als eines charakteristischen Sittengcmähl-
des,