historisch-philosophischer Schriften. 253
Bischöfe; bepde Stande bekannten sich als ersteAemter und Diener. Außer den Alloden war nochkein Erbgut; noch in keinem conaitatu oder cluustorLandeshoheit. Der Kaiser hatte überall obcrrichtlichesAmt, Reichsgüter und Statthalter, übte überall Ma-jestätsrechte. Die Erzbischöfe und Bischöfe warendurch Ring und Stab unmittelbar: die Erzkanzler
und Archikapellansstellen waren wie an Karls Hofeund sollten darinn Mainz, Trier, Kölln theilcn undwechseln. Alles also, als Rcichsstand betrachtet, warnoch Amt anstatt und von wegen des Kaisers, nachdem Grundbau und Wesen des Karolingischen Reichs.
Nun beut die ganze deutsche Geschichte Veran-lassungen dar, warum das nicht blos so blieb, son-dern auch aristokratisch Hinanwuchs, wie nirgend an-ders. Erstlich wandte sich Otto sogleich aus demReich, und suchte die italienische und römische Kro-ne : seine Nachfolger folgten ihm mit so ungleichem
Glücke nach, bis endlich die schwere eiserne italieni-sche und die luftige römische Krone die deutsche ganzleicht machte, und erdrückte. Da diese auf so leich-tem Zeuge den Insignien gcist- und weltlicher Aem-ter ruhele: so war nichts leichter, als daß sie sehrsank, daß, wo das Haupt fehlte, die Glieder in Un-ordnung geriethcn, und je mehr die Pabste in's Spielkamen, desto mehr ward Alles Chaos, bis manendlich die Zerrüttung unter den Heinrichs ken-net. Das Faustrecht unter einander, Rebellionen ge-gen den Kaiser, Pactheyen am Hofe stritten: die
Weltlichen wollten regieren, die Geistlichen Vormün-der scpn, der Pabst durch Alle herrschen — lauterFolgen eines Reichs, das bei dem Vielfachen seiner