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Zur Philosophie und Geschichte Theil 13 (1820) Nachlese historischer Schriften
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188
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Phantome des Lebens zerstreuet, du bist's, der demMenschen Würde, Festigkeit, Nachsicht gegen seinenFreund, gegen seinen Feind, Verachtung des Glük-kes, der Vcrläumdung, des Ruhms, der Würden,des Lebens, des Todes einzuhauchen; du bist's,der von der Tugend zu sprechen und Begeisterungfür sie zu entzünden weiß. Du hättest mehr anmir gethan, als mein Vater, meine Mutter , mei-ne Lehrer; sic wollten mich alle zur Güte bilden,sie wußten aber nicht, wie? Wie hasse ich jetzt die,die mir den Seneka herabsetzten! Ihr kleinmüthigerGeschmack hielt mir die Augen auf den Cicerogeheftet, der mich lehren könnte, wohl zu reden,und entzog mir den, der mich gelehrt hatte, wohlzu handeln Und doch, welch ein Unterschied, zwi-schen der Rcinigkeit der Styls, die ich mit demErsten nicht erlangt habe, und der Rcinigkeit derSeele, die in mir gewiß gewachsen und befestigtwäre, wenn ich im Zweiten studirt, über ihn nach-gedacht, mich in ihm genährt hatte. Selbst jetzt,in einem Alter, in welchem man sich nicht leichtmehr bessert, habe ich den Seneka nicht ohne Nutzenfür mich und für andre um mich gelesen; es scheintmir, daß ich das Urtheil andrer über mich weniger,mein Urtheil über mich dagegen desto mehr scheue ^

und achte; cs scheint mir, daß ich die verflossenen jJahre weniger bedaure, aus die kommenden wenigereinen Wertb lege. O wie übel hat man gctban, ,

daß man, um mich zu einem bessern Schriftstellerzu machen, mich hinderte, ein besserer Mensch zuwerden. Verhärtet hat mich Seneka nicht; ich ge-stehe aber, es möchte Weniges sepn, worüber ichlaut aufschreien würde."