unterworfen feyn will, ist hochachtenswürdig. Nichtjeder gelangt zu dieser warmen Kälte, zu dieserlcidenschaftlosen Lei d e n sch a ft für Wahrheitund für Alles, was zu ihr führet.
Gut, daß Leßing diese seine Laufbahn mit ei-nem G l au b e n Sb ek e nn tn i ß und dem Schrift-chen von der Erziehung des Menschenge-schlechts*) schloß. Das letzte dürfte, ohngeachketmancher überspannten Hypothese, mancher Thevlogwollen geschrieben haben.
Und wo bist du nun, edler Wahrheitfuchcr,Wabrheitkenner, Wahrheitverfechter — was stehest,was erblickst du jetzt? Dein erster Blick, da duüber die Granzen dieser Dunkelheit, dieses Erdene-bels hinwegwarst, in welch anderm, höher» Lichtezeigte er dir alles, was du hieniedcn sähest und such-test? Wahrheit forschen, nicht erforscht haben,nach Gutem streben, nicht alle Güte bereits er-faßt haben, war hier dein Blick, dein strenges Ge-schäft, dein Studium, dein Leb e n. Augenund Herz suchtest du dir immer wach und wacker zuerhalten, und warst keinem Laster so feind, als derunbestimmten, kriechenden Heucheley, unsrer gewohn-ten täglichen Halb-Lüge und Halb -Wahr-heit, der falschen Höflichkeit, die nie dienstfertig,der gleißenden Menschenliebe, die nie wohlkhälig feynwill oder feyn kann; am meisten, (deinem Amtund Beruf nach) der langweiligen, schläfrigen
*) Berlin 178».