großer und weiser Männer. i6g
Halbwahrheit, die wie Rost und Krebs in allemWissen und Lernen von frühauf an menschlichenSeelen naget. Dies Ungeheuer und ihre ganze fürch-terliche Brut gingst du, wie ein Held, an, undhast deinen Kampf tapfer gekampfet. Viele Stellenin deinen Büchern voll reiner Wahrheit, voll männ-lichen, festen Gefühls, voll goldner ewiger Güte undSchönheit, werden, so lange Wahrheit Wahrheit ist,und der menschliche Geist das, wozu er erschaffenist, bleibet — sie werden aufmuntecn, belehren, be-festigen, und Männer wecken, die auch, wie du,der Wahrheit durchaus dienen, jeder Wahrheitselbst wo sie uns im Anfänge fürchterlich und häß-lich vorkäme; überzeugt, daß sie am Ende doch gu-te, erquickende, schöne Wahrheit werde. Wo duirrtest, wo dich dein Scharfsinn und dein immerthätigcr, lebendiger Geist auf Abwege lockte, kurz,wo du ein Mensch warst, warst du es gewiß nichtgern, und strebtest immer, ein ganzer Mensch,«in fortgehendcr, zunehmender Geist zu werden. —
Verzeihe der Leser meine Apostrophe; die letz-ten Situationen seines Lebens rissen mich hin, undich wollte eigentlich nichts über seinen Charaktersagen. Den wird und kann sein näherer Freund bes-ser schildern *).
*) Auch diese Hoffnung ist mit MendelsohnS To-de vereitelt. So weit ich Leßing gekannt habe,mag ich in diesem Punct nichts Geringeres alsShakespears Wort sagen: „Lobe ihn nicht, sprich
nur: erwar ein Mann!"— Die Lebens-