Religion liegt mir so sehr am Herzen, als irgend jjemanden; manche Stellen und Stiche des Frag-mentisten haben mir wehe gelhan, weil ich ihn wirk-lich mit str e n ge r W a h r h e i tl i cb e las, undbei der Verwirrung, in die er alles zu setzen weiß,auf manches nicht sogleich zu antworten wußte, auch ^
auf manches noch jetzt sehr bescheiden antworten wür- !
de. Keinen Augenblick indessen ist mir ein Gedanke !eingefallen, mich deshalb an Lcßing zu halten,oder über ihn Rache und Verdammung auszugicßen,weil ich Stellen eines Buchs, das er herausgiebt,nicht sogleich aufhellen und berichtigen kann. Ihm !dankte ich immer für die Bekanntmachung von Zwei- Ifeln, die mich beschäftigen und weiter leite», die mirGedanken entwickeln, wenn auch nicht auf dem eben-sten Wege. Entwickelt müssen sie werden, wennSache, Sache, Geschichte, Geschichte seyn ,soll; und glaube man doch nicht, daß alles so schwerzu entwickeln, daß alle Zweifel so neu und unerhört Iseycn, als sie vielleicht auch Lcßing geglaubt hat.
Viele sind längst gesagt und wiederholt worden, nurnicht von Christen, sondern von Juden; nicht et-wa im vorigen und in diesem Jahrhundert, nichtvon Freidenkern in Frankreich und England, (wohinsich die Polemik vieler Retter und Streiter ein-schränkt,) sondern von Rabbi nen frühererJahrhunderte, aus denen der Fragmentist man-ches, wenigstens den ganzen Zuschnitt der Schart,genommen zu haben scheint. Ist dies nun alles be-antwortet, gut! Jsts nicht beantwortet, was kannLeßing dafür ? was darf er dafür hafte» ? Beant-worters jetzt! bcantwortcts stille und gesetzt, klar, reinund deutlich, daß Licht die Finsterniß überwinde und