Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 13 (1820) Nachlese historischer Schriften
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

»46 I. Gallerie

genstande angemessenen Prosc die schönste Poesie ist.Der blanke männliche Harnisch kleidet Lcssing mehr,als das Gängelband der Reime; seine Fabeln sindnicht bloß für Kinder, sondern auch Männern, undMännern insonderheit lesbar. Noch mehr sinds dieA bh a ndlunge n über das Wesen, den Nutzen,die Einkleidung, das Wunderbare der Fabel, die erseinen Proben beyfügte. Unstreitig ist dieß die bün-digste, gewiß philosophischste Theorie, die seit Aristo-teles Zeiten über eine Dichtungsart gemacht ist, undcs wäre zu wünschen, daß Lessing sie, wie hierüber dieFabel, wie nachher übers Sinngedicht, wiein der Dramaturgie übers Trauer- und Lust-spiel, im Laokoon über die Grenzen der Poe-sie und bildenden Kunst, und in den Litera-turbriesen über kleinere Materien literari-scben Inhalts, so über alle Dichrungs -arten und Darstellungen der Poesie undKünste hätte machen können. Es wird vielleichtJahrhunderte währen, ehe die vielen und leichtenTalente, die ausgebreiteten und gründlichen Kennt-nisse sich mit dem philosophischen Geist, mit demScharfsinn und schönen 'Ausdruck in einem Mannevereinigen, wie sie in Lcssing vereinigt waren. DieAbbandlungen über die Fabel insonderheit sind miteiner so glücklichen, leichten, sokratisch-platonischenAnalyse geschrieben, daß ich im Geist dieser Me-tbode ihnen in unsrer Sprache weniges an die Seitezu setzen wüßte.

.Ob gegen die Theorie selbst nichts einzuwen-den wäre? ist eine andere Frage. Lessings Aesopi-schen Fabeln folgten Bodmers u» äsopische