Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 13 (1820) Nachlese historischer Schriften
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

großer und weiser Männer. 1-29

von Winkelmanns Seele; Nom könnte sie nur mitgelehrtem Laube oder mit Früchten eines bestimmtemaltern Urteils krönen. Was Winkelmattn in Romsehen sollte, und wollte, trug er schon in sich *).

Damit niemand dieß mißverstehe, oder nach-theilig deute, mache ich nur auf die ziemlich allge-meine Erfahrung aufmerksam: daß meistens, wiein der Knospe der aanze Baum, so auch in den er-sten Hervorbringungen des menschlichen Geistes dieganze Gestalt desselben und seiner künftigen Wir-kung liege, wer sie nur zu sehen und zu entwickelnweiß. Ich rede hier von Fruchten und nicht vonjungen Mißgeburten des menschlichen Geistes: dennWinkelmann war beinah rin vierzigjähriger Mann,da er seine erste Schrift, und auch sie noch mitaller jugendlichen Blodigkeit UNd Schüchternheit,schrieb. Da konnte er doch die Ideen die er in sichtrug, Mit denen er geboren schien, die ihm ft langeUnter allem Druck des Schicksals die sicherstenFreunde und Gesellschafter gewesen waren, entwickeltHabens Was jetzt folgen mochte, war immer nurA nwendung, mehrere Begründung undBestimmung, ein schärferer Umriß im kleinen.Zn den Jahren ändert man die Seele nicht mehr,und wird nicht zum zweitenmal geboren; daherauch durch alle Winkelmanmfche Schriften eine Ein-heit von Gefühl, von Zdcen und Ausdruck geht,die ein Schriftsteller wohl lassen muß (aber, wenner klug ist, auch gern lasset), der vom fünfzehntenbis zum fünf und neunzigsten Jahr schreibt. Auch

*) Die großen Gestalten sind in Uns; Geschichte, Be-schauung, Umgang, wecken sie nur» . , M.Herders W«rke z. Phil, u. Gesch. XIII. I