wohnlichen sieben Magisterkünste; sein Durst nachFreiheit, Freundschaft und Gesinnungen der Alten,die er mit Armuth, Einfalt und litelloser Bescheiden-heit gern erkaufte — das alles zeichnet ihn nach un-fern Sitten so sehr aus, daß ich ihm gerne, nurdieser Gesinnungen wegen, eine Bildsäule unter denWeisen des Alterthums setzte. Lese man seine er-sten , armen und bedrängten Briefe an Bünau *),man köret den verschlagnen, vom Glück verlaßnen,aber noch immer festen und cdeln Mann, der, unbieg-sam der Kriecherei) und Thorhcit seiner Zeit, sichselbst fühlet, sich selbst ehret, und nur aus seinemKerker heraus seufzet. — Jüngling, der du dieseBriefe liesest, schöpfe Muth aus ihnen, bey viel-leicht ähnlichem Schicksal. Teutschland ist lange einWald gewesen: aber auch im dicksten Walde fin-
dest du die rechte Himmelsgegend allein durch dieseLugend und Gesinnung der Alten; durch dasGefühl ncmlich, zu etwas da zu sei) n auf derErde, von niemand als sich abzuhangen im Begriffder wahre» Ehre, des wahren Nutzens und Le-bens; Macht zu haben, daß man falschenZwecken entsage, nach Flittergolds des Ranges,Standes, der Gemächlichkeit und Wollust nicht laufe,auch arm und verachtet sei)» könne, wenn man nurdas wird, was man werden soll, und in seinemWerk lebet. Dieß Gefühl von Einfalt und Wahr-heit , von edlem Stolz und Aufopferung seiner selbstzu dem Beruf, wozu ihn die Natur gebildet, kur
') Winkelmanns Briefe, herauSgegeben von DasdorfTh. i. S. b. u. f.